Rückblick auf die 9. Fachtagung für Anschlussbahnleiter

9. Anschlussbahnleitertagung in FuldaVon den Rechtsgrundlagen der Anschluss- und Werksbahnen bis zu den Aufgaben des Eisenbahnbetriebsleiters

Rund 100 Teilnehmer nutzten die 9. Anschlussbahnleitertagung in Fulda, um sich weiterzubilden und sich ein umfassendes Bild über die aktuellen Anforderungen ihres Gleisanschlusses zu machen. Beginnend mit dem traditionellen Anschlussbahnleiter-Stammtisch am Vorabend im Wappensaal des Hotel Maritim am Schlossgarten in Fulda fand die Veranstaltung am 28.11.18 im Festsaal des Schlosses statt.

Den Eröffnungsvortrag hielt Prof. Urs Kramer von der Universität Passau zu europäischen und nationalen Sicherheitsanforderungen an Werks- und Anschlussbahnen. Im Anschluss stellte Peter Lindner vom hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung die Situation der Anschlussbahnen in Hessen vor und präsentierte über die Bundeszuschüsse hinausgehende Förderungen, die bereits im Untersuchungsstadium auch von kommunalen Gebietskörperschaften genutzt werden können.

Das Thema Anschlusskosten an das Netz der DB Netz AG, welches seit Jahren ein wiederkehrendes Thema der Veranstaltung ist, wurde auch diesmal auf Basis eines Gutachtens beleuchtet, das die durch die DB Netz AG beantragten und durch das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) zu genehmigenden Komponenten der Anschlusskosten bewertet. Zweifelhaft sind nach Auffassung von Rechtsanwalt Andy Niekamp insbesondere die Betriebskosten, die neben den Erneuerungskosten die Abschreibungskosten beinhalten sollen, und die Administrationskosten. Überhöht sind die Kosten der DB Netz AG ohnehin, was sich beispielsweise durch einen Vergleich der Neupreise für Weichen, die am Markt erhältlich sind, zeigt.

Im traditionellen Block zu Aufgaben des Anschlussbahnleiters am frühen Nachmittag erörterten Constantin Scheckenbach von den AnschlussBahnProfis und Rechtsanwalt Andy Niekamp im Dialog konkrete Problemstellungen in sechs Fallbeispielen, um die korrekte Anwendung unterschiedlicher Gesetzgebungen und anerkannter Regeln der Technik zu erläutern. Frank Lehmann schloss sich mit dem Thema Erstzulassung und Erstinbetriebnahme sowie regelmäßig wiederkehrende Untersuchung von Fahrzeugen in Anschluss- bzw. Werksbahnen an. Selbst innerhalb eines Bundeslandes gebe es höchst unterschiedliche Auffassungen, welche Rechtsnormen anzuwenden seien, er warnte daher davor, das Thema Erstinbetriebnahme - auch eines gebrauchten Fahrzeuges - auch bei einfachen Verhältnissen ohne intensiven Kontakt zu den Behörden anzugehen. Einen detaillierten Einblick in die Welt der Leuchtmitteltechnik und Gleisfeldbeleuchtungen erhielten die Teilnehmer beim Vortrag von Franz Westhoff des Leuchtmittelherstellers BöSha: Nach einer Einführung in die Konstruktion moderner LED-Leuchtmittel wurde das praktische Einsparpotenzial verbunden mit verbesserten Sichtbedingungen am Beispiel der kürzlich vollständig damit ausgerüsteten Zugbildungsanlage in Halle an der Saale eindrucksvoll demonstriert, die für rund 1.125 Lichtpunkte nur noch Stromkosten von etwa 22,50 EUR pro Stunde bei deutlich geringerem Wartungsaufwand und längerer Lebensdauer verursacht. Den Block schloss Rechtsanwalt Andy Niekamp mit dem Themenkomplex Haftung von Eisenbahnen, wobei er an Beispielsfällen insbesondere darstellte, wie Unfälle untersucht und ausgewertet werden sollten und welche Rechtslage zu beachten ist.

Einen kritischen Blick auf die lokale wie auch die Bundesverkehrspolitik brachte der Spediteur Ralf Nieß der Hugo Häffner-Gruppe aus dem Großraum Stuttgart ein, die bis vor einigen Jahren noch ein treuer Kunde auf der Schiene beim Versand und Empfang von Chemiegütern war. Die seit dem Programm „Mora C“ der DB Cargo Anfang der 2000er Jahre negative Entwicklung der benachbarten Anschließer habe die Firma vor wenigen Jahren aus Kostengründen gezwungen, den Bahntransport aufzugeben, nachdem die Stadt Ludwigsburg der Firma als letzten aktiven Anschließer die Anschlussbahn übertragen wollte. Auch an einem neuen Standort sei die Möglichkeit eines Gleisanschlusses nicht mehr gegeben, nachdem dort ein Radweg höhere Priorität genossen habe.

AnschlussBahnProfis-Geschäftsführer Friedrich Gitterle verdeutlichte im Schlussbeitrag die Bedeutung von Verbandsarbeit anhand der erst vor wenigen Jahren ins Leben gerufenen Erfahrungsaustauschgruppe (ERFA) Gleisanschluss. Trotz einer Gleisanschlussförderrichtlinie des Bundes sei die Bedeutung der Gleisanschlüsse von der Politik wie auch anderen Verbänden über Jahre hinweg zu wenig beachtet worden, dabei seien sie immer noch für 60 % der Transporte auf der Schiene Quelle oder Ziel. Erst die Vernetzung der unterschiedlichen Anschließer schaffe den notwendigen Dialog und gemeinsame Problemlösungen. Er verwies hierbei auf Österreich, wo der schon seit Jahrzehnten bestehende Verband der Anschlussbahnunternehmen rund 350-400 der ca. 800 österreichweit noch vorhandenen Gleisanschlüssen vertrete, was ihm ein wesentlich höheres politisches Gewicht verleihe. So würde auch die Gleisanschlussförderung mit acht Mio. EUR jährlich in Österreich wesentlich stärker in Anspruch genommen, was die anwesende Teilnehmerin Frau Christine Kierner von der staatlichen Schieneninfrastruktur-Dienstleistungsgesellschaft mbH aus Wien bestätigte. Immerhin habe auch die Initiative von AnschlussBahnProfis und der Spedition Andryk Logistik GmbH zur Gründung eines Verbands der Eisenbahn-Infrastrukturunternehmen auf der 7. Fachtagung vor zwei Jahren dafür gesorgt, dass beim damals mitanwesenden Verband deutscher Verkehrsunternehmen das Thema höher eingestuft wurde. Dies führte schließlich diesen Herbst zur ersten Gleisanschlusskonferenz im Bundesverkehrsministerium in Berlin, wobei dies nur ein Anfang sein könne. Er verwies auch auf die Einzelwagenförderung, die es in Österreich seit einigen Jahren gebe, und regte ein ähnliches Programm für Deutschland an. Des Weiteren könnten auch die Regelungen der Förderung des Kombinierten Verkehrs auf jeglichen Vor- und Nachlauf zu Bahntransporten ausgeweitet werden.

Im kommenden Jahr feiert die Anschlussbahnleitertagung am Dienstag, 26. November 2019 mit ihrer 10. Ausgabe ein Jubiläum. Sie findet im Maritim Hotel am Schloss in Fulda mit dem Stammtisch für Anschlussbahnleiter am Vorabend ab 19 Uhr statt. . Alle Teilnehmer dürfen sich auf eine Überraschung freuen und sind eingeladen, das Jubiläum mit den Veranstaltern gemeinsam zu feiern.

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